10. März 2011

wennfeldergarten_quelle

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Aus einem Brief der Bürgerinitiative Südstadt:

“Es ist überliefert und von Zeitzeugen belegt, dass gegenüber der Einmündung des Görlitzer und Tilsiter Wegs in den Wennfelder Garten ein beliebter und nie versiegender Quellbrunnen stand (…). Er stand im Bereich der Telefonzelle und war zuletzt bei den Stadtgärtnern zum Begießen der nahegelegenen Anbauflächen für die städtischen Altenheimküchen u.ä. seit den 40erjahren im letzten Jahrhundert unabdingbar und für die Menschen in der bereits früher bebauten Backofensiedlung und für die auf den Wiesen grasenden Kühe der Familie Quint / Vogel stete Anlaufstelle. Da Ansiedlungen im Mittelalter immer gutes Trinkwasser als erste Siedlungsvoraussetzung hatten, läge man nicht falsch zu sagen, dass dies der Kern für die Siedlung der Alemannen im Wennfelder Garten war. (…)”

Jetzt ist da keine Quelle und kein Telefonhäuschen. Eine Bushaltestelle ohne Häuschen.

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16. Februar 2011

wennfeldergarten15-3_Zi4Küche

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Nebel.

Die Wäsche ist abgehängt.

Eine alte Frau geht die Strasse hoch. Mütze. Stock. Die Obdachlosen-Baracke heisst Backofen, wie früher alles hier. Daneben wird gebaut, ein neuer Wohnblock der GSW.

Stand hier vorher ein Haus? Ich weiß nicht. Ich gucke. Ich auch. Wohnen Sie hier? Ich Ukraine. Nicht gut deutsch. Wohne hier lange. Gut. Kommt Sonne. Da (im Backofen) nicht gut. Zwei alte Männer. Der will nicht weg, bis er lebt. Aber lebt lebt lebt. Einen schönen Tag Ihnen. Ihnen auch. Gesundheit.

Danke.

Der Straßenverlauf geht so: Französisches Viertel (ehemaliges französisches Kasernengelände, Stadtplanung weltpremiert) – Eisenhutstrasse – Sozialwohnungen (drei & viergeschossig) – Sozialwohnungen (in Wohnblocks, renoviert und weiss gestrichen) – Backofen (Obdachlosen-Baracke) – der Weg aus dem Tal in den Wald (geschottert) – Ergotherapie mit zwei Kühen und Hühnern.

wennfeldergarten15-2a_Schlüssel

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14. Februar 2011 / 1975

wennfeldergarten_karte

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Happy Valentines.

Auszug aus dem Schutzbereichgesetz (1975)

“§3 1. Wer innerhalb des Schutzbereiches (…) Inseln, Küsten und Gewässer verändern (…) will, bedarf hierzu der Genehmigung. (…)

§5 (…) Es ist verboten, ein als Schutzbereich gekennzeichnetes Gebiet oder seine Anlage ganz oder teilweise ohne Genehmigung zu fotografieren, oder Zeichnungen, Skizzen oder andere bildliche Darstellungen davon anzufertigen.

§6 (…) Bei der Beseitigung oder Räumung von Wohnungen ist den Bewohnern eine angemessene Räumungsfrist zu gewähren. Die ausreichende anderweitige Unterbringung muss gesichert sein.”

wennfeldergarten_Wäsche

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Die Sonne scheint. Heute ist ein anderer Tag.

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10. Februar 2011 / 7. April 1975

tapeten_wennfeldergarten15

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7. April 1975 “Öffentliche Bekanntmachung – Erklärung eines Gebietes zum Schutzbereich

betroffen waren u.a. folgende Wohnhäuser: Eisenhutstr. Nr. 48, Wennfelder Garten Nr. 21, 23, 25, 27,29, 31, 33, 35, 37, 39, 40 – 44, 46 …

“Es werden hiermit folgende Massnahmen getroffen: 1. (…) darf die natürliche Tarnung durch Abholzen nicht beseitigt werden. 2. a) das Schießen bei Schrotschuss (…) ist nur in einer der Verteidigungsanlage abgewandten Richtung gestattet. b) im Abstand von 50 m von der Umzäunung der Anlage darf nicht geraucht, gezeltet und kein offenes Feuer gelegt werden. c) innerhalb (…) dürfen keine explosiven, insbesondere gefährlichen Stoffe gelagert werden. (…)”

Wo beginnt Zivilisation und endet der Krieg?

Mitteilungen an die Presse

Keine Atomwaffen. (…) Im Interesse ungestörter baulicher Entwicklungen der Stadt Tübingen wird das Munitionslager Waldhausen aufgegeben. Die dort eingelagerte geringe Menge an konventioneller Munition wird in das Lager Tübingen-Schindhau eingelagert. Dort lagert ebenfalls nur konventionelle Munition. Auch ist das Lager nur für die Einlagerung derartiger Munition geeignet. (…) Ausdrücklich ist deshalb festzustellen, daß gegenüber dem derzeitigen Zustand keinerlei wesentlichen Veränderungen eintreten. Insbesondere tritt keinerlei erhöhte Gefährdung für die Öffentlichkeit ein.”

Und wer ist davon betroffen?

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8. Februar 2011

wennfeldergarten_blumen-rosa

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Kaffee bei Frau S.

Alles Scheiße. Für mich ist es hier Scheiße. Nee. Ich lass mir nichts mehr gefallen. Hier gibt’s falsche Leut. Von soundsoviel sind’s soundsoviel wo falsch sind. Immer hintenum. Man kann ja ehrlich sein. Für mich ist’s hier Scheiße.

Die Sonne scheint.

Die Landschafts-Planerin hat im Beirat die 60ger Jahre 3er Baumgruppen als schutzwürdiges Kulturgut benannt. Birke, Birke, Nadelbaum. Klare Schatten auf bunten Hauswänden. Frau S. heißt nicht Frau S.

roteshaus_schatten

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7. Februar 2011

wennfelder garten 15-3 / Zi3_070211

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Das Zimmer nach hinten raus. Hang. Die Treppen hoch zum gelben Wohnblock, seit 20 Jahren leer. Seit 20 Jahren?

Aus den unteren Wohnungen wäre das Vogelhäuschen zu sehen, das jemand ins Gestrüpp gehängt hat.

Morgens steht hier die Sonne.

wennfelder garten_schalter/a_070211

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Auf der Suche nach fotografischen Details in leeren Wohnungen.

Der Wasserrohrbruch.

In Wohnung 2a hängt die Tapete von der Decke, rollt sich von den Wänden. Fensterbänke liebevoll mit PVC benagelt. Die Schrift auf den Schlüsselanhängern am Schlüsselbrett neben der Wohnungstür kommt aus einer anderen Zeit. Die Sicherungskette, damit der draußen draußen bleibt während dem notgedrungenen Gespräch.

Die Spüle in der Küche glänzt wie im täglichen Gebrauch. Drei Schlüsseltäschchen ohne Schlüssel.

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3. Februar 2011

wennfelder garten 15-3_Zi2_030211

Auf der Strasse fährt der Bus vorbei. Autos.

Menschen kommen von der Arbeit. Laufen den Hang hoch mit Einkaufstaschen. Kinder aus dem Kindergarten in Kinderwägen. Viel Verkehr.

Erste Frühlingsvögel zwitschern.

Regen.

Gegenüber schliesst eine Frau die Haustür auf. Mit Kind und Geburtstagsblumenstrauss.

Vielleicht.

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