Görlitzer Weg

Görlitzer_Lampenquas

Görlitzer_Lampenquast

„Gold-Zack Hosenträger sind so zuverlässig, so haltbar und langlebig, wie die berühmte Gold-Zack Litz… . Machen Sie „ihm“ die Freude mit modernen Hosenträgern. Gold-Zack Gummibänder (…).“

Nach dem Krieg gab es kein Geld für Schlüsselanhänger. Gab es „ihn“?

Zwei zehn-quadratmeter Zimmer, eine zwölf-quadratmeter Wohnküche, ein zwei-quadratmeter Bad, Laufraum. Ein drei-quadratmeter Gang. Geschätzt. Fenster in zwei Richtungen. Im Keller der Boden, Erde gestampft, Holzverschlag. Die Tapete gepflegt, Spüle, Herd, Waschbecken im Bad poliert. Neben der Kloschüssel stand einmal der runde Boiler. Sicherheitsschloss an der Wohnungstür.

Die Wohnung erinnert mich:

An eine andere Frau in einer anderen Stadt, die dorthin kam nach dem Krieg. Ich putzte einmal pro Woche. Den blanken Linoleum, mit Goldstückchen, auf den sie stolz war. Kein Krümel, kein Staubkorn, die Spüle poliert. Einmal am Tag zwei Cashewkerne, ungeröstet, ungesalzen, das war ihr Luxus. Eine Tasse Tee aus dünnem Porzelan, ein Keks, für mich.

Görlitzer_Hosenträger

Görlitzer_Hosenträger

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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Eine Antwort zu Görlitzer Weg

  1. Joern Schlund schreibt:

    Wunderbares Görlitz- Als die Mauer offen war- bin ich in Görlitz gwesen-am liebsten hätte ich eine Glasglocke über diese Stadt gestülpt- um die Ästethik des Verfalls zu erhalten. Aber dann setzte die Überrenovation ein- kann man nix machenein großen schwrzrn Stein aus der Judengass habe ich mit genommen und werde ihn euch geben bis dahin Joe

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