Wennfeld Rose Rot

       

Die Zeit geht. Manche Nachbarn sorgen sich. Hängen die Wäsche auf.

Die Tulpen blühten, die Rosen blühen. Die Menschen ziehen aus. Bald sollen Neue kommen. Geflohen von irgendwo. Wie die, die erst hier kamen.

„Aus meinem Fenster habe ich die Kasernen gesehen. Da sind die Panzer gefahren. Ich habe gehört, wenn sie gerufen haben, wie nennt man das – Appell. Da ist nie was passiert. Direkt auf der anderen Straßenseite, da war der Zaun zu den Kasernen. Mein Vater hat so viel erzählt. Er war nach dem Krieg in Tübingen. Er war bei den Soldaten. Ich habe so viel vergessen. Er hat so gerne erzählt und ich habe Alles vergessen. Ich bin in den 80ger Jahren hierher gezogen. Einmal hat er mich besucht. Er hat mir nicht geglaubt – wie, da hinter den Kasernen, da stehen Wohnhäuser? Da war doch gar nichts!“

Da, wo gar nichts war, sind später die Flüchtlinge untergekommen. Die nach dem Krieg von irgendwo irgendwie ankamen. Denen, die geblieben sind, Jahrzehnte, ist es ein Zuhause geworden.

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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