Oktober ist kalt

Wennfeld_Schatten

Wennfeld_Schatten

Draußen ist es kalt geworden. Ganz schnell haben sich die Blätter verfärbt und fallen von den Bäumen. Demnächst sollen auf dem Festplatz in Tübingen Flüchtlinge untergebracht werden. In Zelten. Eine Zeltstadt am Rand der Stadt – bis Februar. Dann ist immer noch Winter.

Ich bin froh, dass Geflüchtete nach Tübingen kommen können.

Der 81jährige Mann aus dem Kosovo lebt seit vierzig Jahren hier im Wennfeld. Er bringt ein Foto-Album und zeigt der jungen Mutter aus Albanien Bilder seines Lebens. Sie wohnt hier seit zwei Monaten.

Die griechisch sprechende Nachbarin sitzt mit der Familie aus Mazedonien unter der der Glocke an der Kirche am Eck und füllt den Schul-Antrag für die Kinder aus.

Zwei junge Männer aus Nigeria lassen sich mit Familien aus Albanien fotografieren.

Mein Nachbar, mit dem ich manche Dinge lieber nicht besprach – weil er dann gerne über „die Ausländer“ schimpfte – winkt dem fünfjährigen Jungen und der Mutter fröhlich zu. Sie sind auf dem Weg, Plastikpfand im Supermarkt einzulösen. Die gemeinsame Sprache: Zulachen, Winken, den Hund streicheln, ein paar wenige Worte Deutsch.

Flucht ist kalt. Im Wennfelder Garten ist es ein kleines Bisschen warm. Heizungen funktionieren. Es gibt Nachbarn. Natürlich ist das nicht Alles. Aber es gibt vielleicht ein bisschen Kraft.

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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