Als noch Sommer war…

… im September.

Ich habe meine Nachbarin wiedergefunden. Ihre Söhne arbeiten bei einem Umzugs-Unternehmen. Sie haben zweimal meinen Vater, dann sie umgezogen. So habe ich sie kennengelernt (die Söhne). Den Nachnamen der Nachbarin hatte ich mir nicht gemerkt. Als sie dann ausgezogen war, klebte ein Zettel am Briefkasten: „Bin umgezogen in Hausnummer 39“. Ohne Namen. Wennfelder Garten Nr. 39 ist groß. Es gibt viele Namen an den vielen Klingeln. Keine Vornamen. Ich habe bei der Umzugs-Firma angerufen und neulich den einen Sohn an der Kasse getroffen im Edeka. Nachgefragt.

Heute hat sie mich angerufen. Ihre Umzugskartons hat sie noch nicht alle ausgepackt, sagt sie. Aber wenn ich komme, ist das egal.

Jetzt stehen vier neue Namen an dem alten Briefkasten. Bis abgerissen wird. Oder abgeschoben. Wen rufe ich an, wenn ich dann die Nachbarn wiederfinden möchte?

Wennfeld_mein Haus

Wennfeld_mein Haus

Advertisements

Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
Dieser Beitrag wurde unter tagebuch abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.