Eisenhutstraße Küche

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Im Sommer saß auf der Wiese bei den drei Birkenbäumen plötzlich eine Familie. Vater, Mutter und zwei Kinder. Er ist Maurer. Schöne, gestaltete Mauern – wie modelliert. Sie spricht Englisch. Genug, um sich zu verstehen. Sie sitzen im Gras, er dreht sich eine Zigarette, meine Tochter fährt mit ihrem Sohn Skateboard.

Hinter den Birken nicht zu sehen ist der Wäscheständer – wieder aktiviert nach monatelangem Leerhang. Gewaschenes wird auf- und abgehängt mit einem freundlichen „Good morning, how are you, how are your children?“

Rechts von den Birken ist die Blume in der Mitte des Fensters, sind die Vorhänge verschwunden. Männer gehen ein und aus in Arbeitskleidung. Abends sitzen sie drinnen, rauchen, reden – ihre Garderobe hängt Nagel für Nagel aneinandergereiht an der Wand. Wenn Licht brennt, sehe ich im Vorbeilaufen jedes Detail. Irgendwann merke ich, dass sie russisch sprechen – oder tschetschenisch? Sie bauen die neuen Häuser der GSW, wo vorher Brachland war nach dem Abriss.

Einmal setze ich mich auch ins Gras bei den Birken. Es ist Abend, schon fast dunkel. Lichter brennen hinter den Fenstern, gekippt, weit offen, es ist warm. Schnipsel von Sprachen aus Nigeria, Albanien, Tschetschenien … Deutschland.

Menschen, die zur Ruhe kommen.

 

 

 

 

 

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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