Schnee

Wennfelder Garten, Januar 2016

Wennfelder Garten, Januar 2016

Der Schnee kam Mitte Januar.

Blick aus meinem Atelier: Zwischen den alten Häusern lugt das Neue hervor. Freundlich, einladend, sonnig. In den Obergeschossen Kauf-Wohnungen. Aussicht über die Stadt in die eine Richtung. Über Panzerstrasse und Wald in die andere. Unverbaubar.

Ich stelle mir vor, wie der Mond durch´s Fenster scheint. Und der Wald in so einer Nacht im Zimmer steht. Die Jahreszeiten kommen und gehen sichtbar auf den Wiesen. Mit den Schafen, mit den Wolken, mit dem Wald. Am Lautesten ist es im Winter. Wenn schon auf einer Zentimeter-Schneedecke die Kinder die Panzerstrasse heruntersausen, solange bis sie auf Beton fahren. Der Bäcker ist die Straße ´runter, alle 15 Minuten fährt der Bus in die Stadt.

In den unteren Geschossen und zur Wennfelder Straße hin Sozial-Wohnungen. Von den Kauf-Wohnungen mit-finanziert, heißt es.

Ich habe dort noch niemand kennen gelernt. Aber ich kenne auch sonst nicht Alle. Die Balkone sind bewohnt, die Lichter lächeln freundlich, die Tiefgarage gähnt, der Spielplatz wartet darauf, ausprobiert zu werden. Im Frühling. Wie ein solch geräumiger Hof zwischen den Häusern am Hang zustande kommt? Ob er geräumig bleibt, wenn er bespielt wird?

An Halloween waren wir dort, eine Gang Kinder mit ein paar Eltern – wahrscheinlich hat uns die Neugierde gertrieben. Im obersten Stock trafen wir eine neue Nachbarin. Irgendwer musste ja auf unser Klingeln an allen Klingeln geöffnet haben. Süßes hatte sie nicht, das tat ihr leid.

Die Bevölkerungsdichte des Wennfelder Gartens wird sich in den nächsten Jahren verdoppeln. Die die bunten Balkone bewohnen, sind die Ersten, die dort eingezogen sind. Warum? Was denken sie über ihr neues Viertel? Oder waren sie früher schon da? Gibt es das tatsächlich? Wie ist der Blick aus dem Fenster? In der Neugierde hilft manchmal die Kunst. Mal gucken.

Wennfelder Garten - Hof im Schnee 2016

Wennfelder Garten, Januar 2016

Wennfelder Garten - Spielplatz

Wennfelder Garten, Januar 2016

 

 

 

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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