Frohe Ostern

Eisenhutsstr44-Küche2

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Pünktlich vor Ostersonntag nach einigen Tagen Grau scheint die Sonne. Die Bäckersfrauen verteilen kleine Schoko-Hasen. Ab morgen ist der Laden zwei Tage dicht, das kommt sonst nur an Weihnachten vor. Ansonsten ist hier der Treffpunkt, besonders an Sonntagen. In manchmal langer Schlange stehen Frischbrötchenhungrige. An der Ecke davor, vor der Panzerhalle, halten sie ein Schwätzchen. In alle Richtungen, alle Straßen laufen Bäckerstüten.

Die Nachbarin habe ich endlich besucht. Sie ist zufrieden. Sie hat einen großen Balkon und es ist ruhig. „Viel ruhiger als da unten.“ Sie hat mit Allen noch Kontakt, weiß genau, wer wohin gezogen ist. Aber dass der Eine hundert Euro mehr bezahlt als sie, kann sie nicht verstehen. „Es ist doch dieselbe Wohnung!“ Wichtig ist, dass sie in der Mitte ist, da hat sie es warm. Im ersten Winter jetzt hat es überall gezogen, dann tun die Beine so weh. Jetzt hat sie die Löcher gefunden und ist gerüstet. Auf dem Balkon gibt es noch viel zu tun, der Boden ist Blech, der wird so heiß, da kann niemand laufen! Der Blick ist schön, überall Bäume, Wald, aus der dunklen Küche sieht sie den Österberg am anderen Ende der Stadt. Sie ist zufrieden. Nur der Berg, das kleine Stück, da kommt sie ins Schnaufen. Bis zur alten Wohnung schafft sie es gut, auch die Treppen, kein Problem, aber bis hier oben… Nein, den Bus nimmt sie nicht.

Im Wald haben wir heute einen Igel gesehen. Aus dem Winterschlaf noch nicht ganz erwacht, saß er am Wegesrand, guckte und lief nicht weg. Außerdem: zwei Kühe, einen Hund, eine Katze, zwei Eichhörnchen, zwei Pfauen mit Rad, Buschwindröschen, Schlüsselblumen und das Gehämmer des Spechtes. Frohe Ostern.

 

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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