Leerstand X

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In Wahrheit ist es so… ich schreibe jetzt einmal etwas ganz anderes…

Ich mag Leerstand eigentlich nicht. Leerstand von Wohnraum zum Beispiel. Ich fühle mich deprimiert, wenn ich durch die leeren Zimmer gehe. Natürlich ist es schön, wenn ehemals dort Wohnenden ein neues, schönes Zuhause gefunden haben. Wenn dem so ist. Wenn dem so ist. Ich wünsche Allen Zufriedenheit.

Leerstand von Arbeitsorten zum Beispiel. Ich fühle mich deprimiert, wenn ich durch die leeren Hallen gehe. Es ist wunderbar, wenn ein neues, lebendiges Wohnviertel entsteht nach jahrelangem Verfall. Dennoch erzählten die leeren Hallen der Egeria Frottierweberei und die dort ehemals Beschäftigten eben auch, wie sie kämpften und verloren haben: ihre Arbeit, ihre Existenzgrundlage – für Viele auf Nimmerwiedersehen.

Warum passiert für mich zugänglicher Leerstand meistens im Winter? Ich ziehe drei Lagen Kleidung übereinander, um zu fotografieren und zu dokumentieren und friere trotzdem.

Es stinkt. Die Fabrikhallen stinken nach Farbe, Chemikalien, Moder. Die Wohnungen stinken nach kaltem Essen, Schweiß, verbrauchtem Linoleum, Rauch, Schimmel. Urg.

Natürlich: die Wintersonne gibt ein wunderbares Licht.

Es finden sich Spuren von Leben – Kachel-Farben, die ich nicht für möglich gehalten habe, alte Tapeten, Nägel in der Wand. Eine Uhr, ein Schild „Kehrwoche – diese Woche ist die Reihe an Ihnen“, „Trockenraum bitte auch kehren“, Schlüssel. Die Poesie des Alltags, der Einsamkeit, des Verlustes, des Aufbruchs.

Auf dem Dachboden entdecke ich das Lager der Kinder. Mickey-Mouse an der Bretterverschlag-Eingangstüre, Decken, Tapeten, Plastikfolie als Wandverkleidung. Das Vorhängeschloss ist verschlossen ohne Schlüssel. Ich freue mich: sie – wenn es Kinder waren – haben ihr Versteck nicht preis gegeben. Werimmer wiealtimmer woimmer sie jetzt ihr Leben leben.

Die Fantasie wird in mir geweckt: Was können wir nicht alles mit Handtuchaufhangstangen machen, mit Wäschespinnen! Wie viele Möglichkeiten gibt es, Badewannenstöpsel aufzuhängen? Welche Skulpturen können wir aus alten Klappläden basteln! Alle miteinander etwas Neues schaffen. Die Frustrierten, Deprimierten, die Zufriedenen, Engagierten, die Einsamen, Eingebundenen, die Alten, die Jungen, die Langdagewesenen und Neuzugezogenen…. Yes.

Aus dem Vergangenen, Vergehenden schaffen wir gemeinsam etwas Neues – wir machen aus den Häusern unsere Häuser – kurz vor dem letzten Abriss. Und wenn die letzten alten Steine abgetragen, die letzten neuen Hausverkleidungen angebracht sind, wenn der Prozess der Veränderungen im Alltäglichen wieder verborgen ist und die Baumaschinen abgezogen, bleibt, was wirklich zählt: Nachbarschaft.

Also: ich brauche eine Lagerraum: für alte Türen, Wäschespinnen, Klappläden, Tapetenreste, Badewannenstöpsel. Am Besten einen Keller oder eine Garage im Wennfelder Garten / Galgenberg. Am Besten für wenig Geld.

Lasst es mich wissen.

 

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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