Es riecht

Wennfeld_Rose-ich

Wennfeld_Rose-ich, März 2017

Ich rieche den Abriss.

Die Häuser standen lange schon kahl, dunkel, leer, die Fenster matter pro Woche. Die Feuchtigkeit floß langsam wie trockene Ströme an den Fassaden hinab. Das Mauergerippe drang von innen an die Außenwände – an exakter dunkler Linienführung zu erkennen. Die Heizungen waren ausgeschaltet. Daher kam es.

Doch der Geruch blieb drinnen. Der Geruch und die Kälte des Winters, die es schwer machen, fast unaushaltbar, durch die Räume zu gehen, aus den Fenstern zu gucken, zu sichten, zu fotografieren. Jetzt ist er draußen.

Die Steine werden von Hand aus langen Schläuchen bespritzt gegen den Staub. Fenster und Türen herausgehämmert, Metall von Styropor getrennt. Daher wird er wohl kommen, der Geruch, den es nur beim Abriss gibt: eine Mischung aus kaltem Stein, Staub, Tapetenkleister, vermodertem Papier, Lynoleum, Holz, gebrochenem Glas, feuchtem Textil. Alltagsleben erkaltet.

Ich bin neugierig, wie es aussehen wird, wenn alle Häuser platt sind. Schotter auf der Erde, die Keller gefüllt. Für eine kurze Weile Brachland. Ein neuer freier Blick. Einzelne Baumgruppen, zum Schutz umzäunt.

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Wennfeld_Rose-ich, Juni 2016

 

 

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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