Vom Winter, der nicht war

 

WennfeldSchnee2017

Wenn du morgens aufwachst, spürst du die Stille. Du hörst: draußen ist es weiß. Diesen Winter rauscht es. Es regnet nass und nässer. Graubraun. Bis auf zwei Mal:

Einmal stand ich am Fenster. Zufällig. Plötzliches Schneegestöber in der Nacht. Innerhalb weniger Minuten sind Wege, Bäume, Zäune, Schilder weiß. Ein Krankenwagen mit Blaulicht fährt – die Panzerstraße hoch. Nein, er kommt zurück. Fährt den Berg hoch. Kommt zurück. Kostbar verlorene Zeit.

Er hält direkt vor unserem Haus. Mein Nachbar – zusammengebrochen unter der Verantwortung der Flucht. Er hat den Notarzt gerufen, sie konnten die Hausnummer nicht finden. Er ist wieder aufgestanden. Wer fliehen muss, entwickelt Kräfte. Soll sich eine(r) beklagen, wenn er die Kehrwoche nicht macht. In manchen Situationen bleibt keine Dringlichkeit für ein sauberes Treppenhaus.

Die Wohnungsbaugesellschaft hat eine externe Firma zum Schneeschippen vor’m Haus angestellt. Das kommt auch den Nachbarn und Nachbarinnen zugute, deren (Arbeits-)Leben aus Putzen besteht.

Bei den ersten Schneeflocken verwandelt sich die Panzerstraße in die beste Schlittenbahn weit und breit. Poporutscher, Bobs, Plastiktüten rutschen auch auf dünnem Weiß. Hier treffen sich Alle. Irgendwer umwickelt regelmäßig den Pfosten der Schranke am unteren Ende der Rutschbahn mit Strohballen. Danke.

 

 

 

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Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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