Wenn Felder und Garten…

Ganz oben, im Himmel, scheint der Kran die Baumspitze zu berühren. Ich wäre gern ein Vogel, um zu sehen, ob sie es wirklich tut. Ich hüpfte von den Nadeln auf den Kran und drehte eine Runde.

Die Bäume tun mich denken an Mammutbäume: uralte Sequoias, bis zu 3900 Jahre alt, bis zu 115 Meter hoch oder 17 Meter dick. Es wirkt, als wäre ihre Geschichte genauso alt, als kämen auch sie aus einer anderen Zeit. Als das Wennfeld noch Garten und grün war. In Wirklichkeit sind sie an die 60 Jahre alt. Für Manche war auch das ein Menschenleben, das sie begleitet haben, durch dick und dünn.

Ich möchte, dass sie bleiben. Soviel ist schon geschehen. Aus Versehen ist ein Bagger gegen den Stamm gefahren (eines anderen Baumes – trotz „Sicherheitszaun“). Oder ein Baum war krank. Oder… und plötzlich ist das Wennfeld nicht mehr Garten und nicht mehr grün. Die Fledermäuse sind verschwunden. Gesehen habe ich sie vor einiger Zeit bei den Gleisen – Sidler-Areal – bei den neuen Häusern. Da war ich glücklich. Sie stehlen uns die Mücken und wir freuen uns.

Als neulich die Birke gefällt wurde, war sie krank. Die Nachbarin hatte mit den Fällern vereinbart, dass sie das Holz bekommt. Einfach wäre es gewesen, es über den Zaun zu lupfen und die Mutter hätte was gehabt zum Heizen. Am nächsten Tag war es weg. Und niemand weiß von nichts. Du kannst doch fragen, dann bekommst es, aber einfach so?! So ist das Diebstahl.

Bist du schonmal unter der Tanne gestanden, der großen, von deren Spitze der Vogel auf den Kran springt? Da ist Stille.

Ob die zwei Birken noch erhalten bleiben, da sie nicht mehr dem 60ger Jahre Schönheitsideal „Dreier-Birkengruppe“ entsprechen? Auf dem Strunk sitz nun regelmäßig ein Mann. Er wartet mit seiner Plastiktüte bis sein Sohn ihn mit dem Auto den Berg hoch fährt. Ein Arbeiter von gegenüber genießt hier seine Zigarette. Wir können überall sitzen: auf der Treppe, die zum Haus hochführt gleich daneben, auf den Bänken an der Panzerhalle… Auf dem Strunk sitzen wir im grünen Gras unter Birken.

Hinter der Litfasssäule stand neulich die Milchkanne, frisch gefüllt mit Milch (- ich glaube, es ist seit über 20 Jahren dieselbe Blechkanne für mehrere Generationen Kuh…) Ich habe mich gewundert: die Kuh wohnt oben auf dem Berg und nicht hier unten. Zudem: ich habe sie lange nicht mehr hier vorbeilaufen sehen. Und hätte sie, wenn, ihre Milch einfach so abgestellt? Es wird schon alles richtig sein, dachte ich. Am nächsten Tag war die Kanne weg. Und niemand hat von nichts gewusst. 

Über smitmans

Künstlerin und Kunstvermittlerin. In meinen Arbeiten untersuche ich, wie Menschen ihr Leben in ihrem gesellschaftlichen Umfeld gestalten. Dazu erforsche ich konkrete Orte, Gebäude, Landschaften. Meine Ausgangspunkte können sein: ein Tapetenriss in einem verlassenen Gebäude, die Hände eines Kellners, die Arbeitsweste einer Geflüchteten. Damit mache ich gesellschaftliche Codes sichtbar. Meine Medien sind Fotografie, Zeichnung und das bewegte Bild. Ich beobachte Orte und Menschen mit meiner Kamera und führe Interviews. Daraus werden Einzelbilder, Serien, Filme, Bücher und Arbeiten im Raum. Oft entwickele ich meine Installationen in Synthese mit dem Ort der Präsentation. Gefundenes Material wie Tapeten, Zeitschriften und speziell angefertigte Objekte sind Teil der neu geschaffenen visuellen Landschaft.
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