28. Juni 2011

Sitzen.

In der Sonne 35 Grad.

BewohnerInnen und Bänke. Beständig in der Zeit. Flüchtig im Moment.

Sitzen1 ist verschwunden.

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26. Mai 2011

wennfeldergarten_geschenk

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Meine Tochter nennt es “das Geschenk”. Ein Auto, verpackt.

Nach dem Vortrag am Dienstag ein Gespräch. Überlegungen zum Runden Tisch. Inwieweit kann man wirklich etwas ändern, etwas beitragen? Man kann, sagt der eine, man muss an die Stadträte ran. Aber wie kann ich als Einzelperson, wie kann xy, meint die andere, Briefe schreiben, ich alleine? Die Leute denken, sie können eh nichts mehr tun. Man kann alles noch stoppen, sagt der eine. Wenn man will. Die Leute haben ihre Kündigung. Die kommen nicht mehr zurück. Und das ist schade. Man kennt bald niemanden mehr. Und wo bleiben die Familien? Es braucht 4-Zimmer Wohnungen mit 80 m2. Mehr können die Leute sich nicht leisten.

Das Konzept ist viele kleine Wohnungen. Das ist der Trend.

Der Mietpreis, sagt die eine, der soll nicht soviel teurer werden. Aber da kommt die Kehrwoche dazu, der Parkplatz. Da sind es schnell mal 100, 150 Euro mehr im Monat. Wer kann sich das leisten? Die alten Frauen machen lieber ihre Kehrwoche selber.

Die Schwalben sind noch da. Die Tauben auch. Der Taubendreck auf dem Balkon kommt von den Schwalben. Andere Schwalben.

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24. Mai 2011

wennfeldergarten_brunnen

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Aus dem Vortrag von Dr. Johanna Petersmann “Vom Französischen Viertel zum Wennfelder Garten” (sie meinte die Bagger):

“Sie leben auf einem absolut geschichtsträchtigen Boden.” Wennfeld ist kein beliebiger Flurname, sondern stammt aus alemannischer Zeit, 7. Jahrhundert. Es wurden Gräber mit Beigaben gefunden (“die sind jetzt irgendwo in Stuttgart”) und Skelette.

“Wennfeld hat keine Bilder.” Kirchentellingsfurt ist genauso alt. Und Wankheim. 2021 wird Wennfeld 725 Jahre alt. Zur Zeit Hölderlins wurde es beschrieben als einer der schönsten Orte zum Lustwandeln. Wiesen, Bäume in einer langen Allee, der Blick über Steinlach und Neckar auf Tübingen.

1935 kam die Burgholzkaserne, später Hindenburgkaserne. Da mussten die Leute aus der Stadt ihre Ländereien abgeben. “Da bin i nimmer nauskomme”. Die Südstadt war das “Jenseits”. Der Wennfelder Garten noch jenseitiger.

Die Franzosen gingen, der städtebauliche Entwicklungsplan kam. Aus militärischer Tabu-Zone wurde Wohnviertel. “Das war ein Segen. Man hat gedacht, um Gottes Willen, Asylanten, die Wagenburg, das Tohuwabohu breitet sich aus!”

“Und bitte: wenn Sie nun sehen, dass so ein Bagger etwas ausgräbt im Wennfelder Garten, etwas Altes, dem Baggerführer ist das egal, bei den Behörden kommen Sie vielleicht nicht durch – bitte rufen Sie mich an! Das wäre mein Anliegen für den heutigen Abend. Das und der Brunnen.”

Der Brunnen, der Brunnen. Man hat sich doch nur niedergelassen, wo Wasser war. “An meinem Haus ist der vorbeigeflossen,” erzählt eine Dame. Wie er aussah? Wer erinnert sich schon an den Alltag.

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19. Mai 2011

wennfelder-garten-baum_190511

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Der Baum auf dem Balkon trägt grüne Blätter. Ein Gewitter durchbricht die Trockenheit. Ich wasche Taubendreck der letzten drei Jahre von den Steinen.

Rechts oben haben Schwalben ihr Nest. Links nisten Tauben. Der Schwalberich fliegt aufgeregt über dem Balkon hin und her. Die Tauben verharren länger ungerührt. Etwas später: Stille. Die einen Nachbarn wünsche ich mir zurück.

Wer bestimmt die Schönheit einer Anwesenheit?

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30. April 2011

wennfeldergarten-15_1aTapetenschatten

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Frühling. Alles blüht. Die Tauben bekommen Täubchen auf dem Balkon.

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28. April 2011

wennfeldergarten_15-3-Bad_280411

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Ein Bad steht leer. Der Boiler ist abgeschaltet. Bei geöffnetem Haupthahn läuft das Wasser in die Badewanne. Ein Ventil ist leck.

Ein Bad steht leer. Ich fotografiere Badewannen-Stöpsel und Wasserhahn. Sichtschutzscheiben schützten intimste Momente. Das Rasieren von Achselhaaren.

Sichtschutzscheiben. Das Draussen bleibt draussen. Die Bäume, die Sonne, die Blätter, das Grün. Das Bad ist der einsamste Ort in der leeren Wohnung.

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10. März 2011

wennfeldergarten_quelle

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Aus einem Brief der Bürgerinitiative Südstadt:

“Es ist überliefert und von Zeitzeugen belegt, dass gegenüber der Einmündung des Görlitzer und Tilsiter Wegs in den Wennfelder Garten ein beliebter und nie versiegender Quellbrunnen stand (…). Er stand im Bereich der Telefonzelle und war zuletzt bei den Stadtgärtnern zum Begießen der nahegelegenen Anbauflächen für die städtischen Altenheimküchen u.ä. seit den 40erjahren im letzten Jahrhundert unabdingbar und für die Menschen in der bereits früher bebauten Backofensiedlung und für die auf den Wiesen grasenden Kühe der Familie Quint / Vogel stete Anlaufstelle. Da Ansiedlungen im Mittelalter immer gutes Trinkwasser als erste Siedlungsvoraussetzung hatten, läge man nicht falsch zu sagen, dass dies der Kern für die Siedlung der Alemannen im Wennfelder Garten war. (…)”

Jetzt ist da keine Quelle und kein Telefonhäuschen. Eine Bushaltestelle ohne Häuschen.

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